Zur Vorgeschichte der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch finden Sie Informationen über das Erstarken der NSDAP vor 1933, über die Entwicklung in den Jahren 1933 bis 1939 und über die Entstehung des Militärflughafens Kaltenkirchen.

Nationalsozialismus vor 1933

Wahlergebnis 31.07.1932 in der Region, Foto: eigener BestandWahlergebnis 31.07.1932 in der Region, Foto: eigener BestandWahlergebnis 31.07.1932 in der Region Foto: eigener BestandWahlergebnis 31.07.1932 in der Region Foto: eigener Bestand In der Region um Kaltenkirchen errang die NSDAP bei den Reichstagswahlen am 31.7.1932 (also schon vor der Machtergreifung) 78,7% der Stimmen. Hier im südlichen Schleswig-Holstein entstanden frühzeitig braune Hochburgen.

Die Nazis bestimmten somit schon vor 1933 das öffentliche Leben mit ihrem Ungeist. Kirche, Schulen, örtliche Presseorgane und Vereine transportierten die braunen Gedanken in alle Köpfe und besonders in die der Jugend. Öffentliche Übertragung von Hitlerreden, Nutzung von nationalen Gedenktagen, Auftreten bei volkstümlichen Veranstaltungen, „Deutsche Abende“ mit „Deutschem Tanz“, nächtliche paramilitärische Übungen, massenhaft Plakate und Handzettel, auf Versammlungen und auf der Straße gesungene Lieder usw. machten die Nazis allgegenwärtig.

Maßgebliche Vertreter der Gemeinde und des Kirchspiels, Ortspolitiker, Pastoren und Lehrer, sprachen sich öffentlich für die NSDAP aus, wie es zum Beispiel der Kaltenkirchener Pastor Ernst Szymanowski tat. Sie schufen Vertrauen in der Bevölkerung für die Hitlerpartei und bereiteten so dem Unheil den Weg.

Schwerpunkte nationalsozialistischer Agitation befanden sich in der SA-Führerschule in Kattendorf, dem Sitz des SA-Sturmbanns in Struvenhütten, der Wehrsportschule der SA im Lokstedter Lager und dem SS-Heim auf dem Hof Ebert in Nützen, Springhirsch.

 

Die Jahre 1933 bis 1939

Am 30. Jan. 1933 setzte Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler als Reichskanzler ein. Dieser handelte sofort: Am 24. März 1933 erließ Hitler das „Ermächtigungsgesetz“ und beseitigte damit die demokratisch-parlamentarische Staatsform. Die KPD wurde verboten, dann auch die SPD. Es kam zur Selbstauflösung der bürgerlichen Parteien und zur Gleichschaltung der gesellschaftlichen Organisationen. Am 1. Apr. 1933 steigerte sich der Terror zum reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte und Einrichtungen. Die Ausgrenzung der jüdischen Mitbürger nahm ihren Fortgang.

 

In den Jahren 1933 und 1934 wurden in Schleswig-Holstein zunächst sechs Konzentrationslager eingerichtet mit dem Ziel, unliebsame Personen verschwinden zu lassen und jeden Widerstand zu brechen. Diese befanden sich in Kuhlen, Eutin, Holstendorf, Ahrensbök, Glückstadt und Wittmoor. Gegen Ende des Dritten Reiches wurden in Schleswig-Holstein weitere acht Konzentrationsläger eingerichtet: In Kaltenkirchen, Ladelund, Husum-Schwesing, Wedel, Neustadt, Kiel, Mölln-Breitenfelde  und in Lütjenburg-Hohwacht.

 

Zur Vorbereitung eines Großdeutschlands war es erforderlich, die „Volksgemeinschaft“ auf den Krieg vorzubereiten. Vermeintlich störende, schwächende und als nicht integrierbar betrachtete Personen wurden aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen und weitgehend eliminiert. Dies geschah durch Einweisung politischer und missliebiger Personen in ein Konzentrationslager wie z.B. homosexueller Personen, Zeugen Jehovas, durch Maßnahmen der Eugenik (Sterilisierung), der Euthanasie (Tötung behinderter Menschen) und durch die Ermordung von Juden, Zigeunern (heute Sinti und Roma) und anderer Opfergruppen.

 

Das alles geschah unter Mitwirkung oder Zustimmung der Bevölkerung in der Region. Der Weg der „Volksgemeinschaft“ in den Krieg wurde vorbereitet. Kirche, Schule und Presse trommelten für den bevorstehenden „großen Kampf“. So nahm allmählich das Unheil in und um Kaltenkirchen Gestalt an. Der Militärflugplatz Kaltenkirchen entstand ab 1938, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter gehörten ab 1940 zum öffentlichen Bild aller Gemeinden.

 

Militärflughafen Kaltenkirchen

Luftbild des Militärflughafens Kaltenkirchen  Foto:  Royal Air Force 25. 12. 1944, Archiv: The National Archives –Public Record Office / Air Photo Library, University Keele.Luftbild des Militärflughafens Kaltenkirchen Foto: Royal Air Force 25. 12. 1944, Archiv: The National Archives –Public Record Office / Air Photo Library, University Keele.Luftbild des Militärflughafens Kaltenkirchen  Foto:  Royal Air Force 25. 12. 1944, Archiv: The National Archives –Public Record Office / Air Photo Library, University Keele. Schon 1935 wurde das Gelände durch die Luftwaffenführung erkundet. Ab 1938 begann der Ausbau. Als 1944 erste Jagdflugzeuge mit Düsenantrieb aufkamen, musste die Start- und Landebahn des Flugplatzes verlängert werden, damit die neuen Jagdflugzeuge in Kaltenkirchen starten und landen konnten.

 

Die Luftwaffenführung forderte billige Hilfskräfte an und die SS lieferte KZ-Häftlinge aus dem KZ Neuengamme. Diese mussten vom Sommer 1944 bis zum April 1945 unter grausamen Bedingungen den Ausbau vornehmen. Die ersten 500 – 600 Häftlinge wurden in Güterwagen der AKN von Hamburg-Neuengamme nach Kaltenkirchen transportiert. Die Fahrt dauerte 2 ½ Tage, es gab weder Wasser noch Verpflegung. Viele Häftlinge haben diesen ersten Transport schon nicht überlebt.

 

Im Dezember 1944 wurden die ersten düsenstrahlgetriebenen Jagdflugzeuge auf dem ausgebauten Flughafen stationiert. Am 7. Apr. 1945 bombardierten die Alliierten den Flughafen. Am 5. Mai 1945 besetzten englische Truppen den Militärflughafen Kaltenkirchen.

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